Blattläuse

Grüne Blattlaus auf Pflanze

Eine einzelne grüne Blattlaus auf einem Pflanzenstil
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Die Blattläuse (Aphidoidae) zählen in Europa zu den häufigsten Pflanzenschädlingen überhaupt. Vor allem in den gemäßigten Klimazonen können sich Blattläuse in kürzester Zeit massenhaft vermehren und haben somit auch eine hohe wirtschaftliche Bedeutung. Ob im Freiland oder im Gewächshaus, ob Nutz- oder Zierpflanzen: es gibt kaum Pflanzen, die nicht auf der Speisekarte der kleinen Insekten stehen. Die saugenden Läuse schaden ihren Wirten dabei nicht nur direkt durch den Entzug von Nährstoffen, sondern können auch indirekt pflanzliche Viruskrankheiten übertragen.
 

Blattläuse - alle Infos auf einen Blick
  • Aussehen: Blattläuse sind meist nur einige Millimeter klein und haben oftmals eine plumpe eiförmige Körperform. Blattläuse können weißlich, grün oder schwarz sowie geflügelt oder ungeflügelt erscheinen.
  • Schadbild: Anzeichen von Wasser- und Nährstoffmangel an den Pflanzen. Klebriger Honigtau auf der gesamten Pflanze sowie Häutungsreste auf den Blattunterseiten.
  • Gegenmittel: Präventive Gartengestaltung, Schmierseifen- und Rapsölpräperate, Florfliegenlarven als Nützlinge, Systemische Insektizide.

Aussehen und Merkmale von Blattläusen

Schwarze Blattläuse an Pflanze

Blattlauspopulation an einem Pflanzenstiel © Mathias Karner / fotolia.com

Blattläuse sind Insekten (Insecta) und zählen zu der artenreichen Unterordnung der Pflanzenläuse (Sternorrhyncha). In Mitteleuropa leben etwa 850 verschiedene Blattlausarten; sie alle ernähren sich von Pflanzensaft und viele von ihnen sind bekannte Pflanzenschädlinge.
Das Aussehen der Läuse kann je nach Art stark variieren. Die Körperform reicht von plump eiförmig bis zu lang spindelförmig (siehe Bild?). Die kleinsten Blattlausarten werden nur 0,5 mm groß und sind somit mit bloßem Auge schwer erkennbar; die größten Arten können bis zu 8 mm groß werden. Der Aufbau von Kopf, Brust und Bauch entspricht weitestgehend dem Insektenschema: so haben alle Arten sechs gegliederte Beine sowie Komplexaugen. Blattläuse sind entweder ungeflügelt oder aber tragen zwei Paar durchsichtige, geaderte Flügel. Bei manchen Blattlausarten kommen die geflügelten Formen im Generationswechsel vor und dienen der Verbreitung auf weitere Pflanzen. Auffallend sind außerdem die langen Antennen, die häufig auf Stirnhöckern sitzen und nach hinten zeigen. Um an den begehrten Pflanzensaft zu gelangen, besitzen Blattläuse einen Saugrüssel (so genanntes Rostrum), welcher in seiner Länge stark variieren kann. Manche Arten sehen mehlig aus, wie zum Beispiel die Mehlige Kohllaus. Dies liegt an wachsartigen Sekreten, die sie ausscheiden, um sich vor Sonne und Verdunstung zu schützen. Viele Blattlausarten scheiden zudem zuckerhaltigen Honigtau aus, den man häufig an den Blättern und Sprossachsen befallener Pflanzen findet und der andere Insekten anlockt (bekanntestes Beispiel sind Ameisen).

Die bedeutendsten heimischen Blattläuse und ihre Wirtspflanzen

BlattlausartBefallene Pflanzen (Auswahl)
Große Rosenblattlaus (Macrosiphum rosae)Rose, Apfel, Erdbeere, Birne
Apfelblutlaus (Eriosoma lanigerum)Apfel, Birne, Quitte
Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae)Bohnen, Kartoffeln, Rüben, Gemüse- und Zierpflanzen (über 200 Wirtspflanzen)
Grüne Pfirsischblattlaus (Myzus persicae)Pfirsisch, Pflaume, Hopfen, Kartoffel, Gemüse- und Zierpflanzen sowie Gewächshauskulturen
Sitkafichtenlaus (Liosomaphis abientinum)Fichte, Tanne
Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae)Raps sowie Gemüsekulturen

Entwicklung und Lebenszyklus

Blattläuse mit melkender Ameise an Pflanze

Schwarze Blattlauspopulation an Pflanzenstil. Daneben eine Ameise, welche die Blattläuse melkt und sich so vom eingesammelten Honigtau der Blattläuse ernährt.
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Man kann bei Blattläusen zwischen mehreren Entwicklungszyklen unterscheiden. Dies macht deutlich, wie vielseitig sich die Pflanzenschädlinge an Lebensräume anpassen können. In kühlgemäßigten Klimazonen wie Deutschland legen die Insekten im Spätsommer oder Herbst (meist an Gehölzen) Eier ab, die den Winter problemlos überstehen können (Blattlauseier sind extrem frostresistent). Im Frühjahr schlüpft aus jedem Ei eine so genannte Stammmutter (oder auch Fundatrix). Diese kann fortlaufend ohne Befruchtung neue weibliche Larven hervorbringen, die sich entweder zu ungeflügelten oder geflügelten Blattläusen entwickeln. Im Prinzip handelt es sich dabei um Klone der Stammmutter, die sich auch wiederrum ungeschlechtlich fortpflanzen können. Diese Art der Vermehrung ist sehr effektiv und im Laufe eines Sommers treten so zahlreiche Generationen der Blattlaus auf. Unter guten Bedingungen (milde Temperaturen, gute Nahrungsversorgung, wenig direkter Niederschlag) führt dies schnell zu einem massenhaften Auftreten des Pflanzenschädlings in Garten, Gewächshaus oder Freiland. Die kurze Entwicklungsdauer von Geburt bis zur ausgewachsenen Blattlaus beträgt meist nur zwischen 8 bis 14 Tagen.

Erst im Spätsommer bildet sich eine Generation mit männlichen und weiblichen Läusen, aus deren Fortpflanzung dann wieder überwinternde Eier entstehen. Wann genau diese geschlechtliche Generation entsteht ist von Art zu Art unterschiedlich und abhängig von der Tageslänge, die über die Haut der Blattläuse registriert werden kann. Diesen Entwicklungszyklus nennt man auch holozyklische Entwicklung (der vollständiger Zyklus); diese kann mit oder ohne Wechsel der Wirtspflanze stattfinden.
Größere wirtschaftliche Bedeutung haben auf jeden Fall Blattläuse, die sich im Hochsommer neue Pflanzen als Wirte suchen. Hierbei entstehen aufgrund der steigenden Temperaturen vor allem geflügelte Blattläuse, die dann ausschwärmen auf der Suche nach neuen Lebensräumen. Um die Nahrungspflanzen zu orten, benutzen die Läuse nicht nur ihre Komplexaugen, sondern auch ihre Antennen, mit denen sie chemische Geruchsstoffe wahrnehmen können. Zum Überwintern bevorzugen die Pflanzenschädlinge meist Gehölze, nach dem Wirtswechsel im Sommer werden aber primär krautige Pflanzen (und somit viele Nutz- und Zierpflanzen) befallen.
In warmen Klimazonen findet man häufig Blattlausarten, die eine anholozyklische Entwicklung (= der unvollständige Zyklus) vorweisen. Da diese Insekten keinen Winter überstehen müssen, entwickeln sie auch keinerlei geschlechtliche Generation und legen auch keine Eier. Das ganze Jahr über treten also nur Weibchen auf, die ohne Befruchtung fortlaufend neue weibliche Larven hervorbringen (so genannte Parthogenese). Aber selbst diese Blattlausarten können längere Kälteperioden im Minusbereich überleben und stellen in Europa vor allem in Gewächshäusern und Innenräumen ein Problem dar.

Schadbild bei Blattlausbefall

Von Blattläusen befallene Kirschbaumblätter

Blattlausbefall an einem Kirschbaum
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Blattläuse schädigen Pflanzen auf gleich zweierlei Arten. Die saugenden Pflanzenschädlinge sind in der Lage die Gefäße der Pflanzen zu erreichen und entziehen ihnen Flüssigkeit und vor allem wichtige Nährstoffe (= direkte Schäden). Weiterhin und zum Teil weitaus tragischer ist, dass viele Blattläuse pflanzliche Viruskankheiten in sich tragen, die über ihren Saugrüssel in die befallenen Pflanzen gelangen (= indirekte Schäden). Häufig von Blattläusen übertragene Virosen sind zum Beispiel der Scharka-Virus bei Steinobst sowie der Mosaikvirus an Gurken.
 

Blattlausbefall erkennen
  • Prinzipiell können fast alle Pflanzen von Blattläusen befallen werden. Im Winter/Frühjahr sind es häufig Gehölze, im Sommer hingegen krautige Pflanzen.
  • Typische Anzeichen für Blattläuse sind Honigtau auf den Pflanzen sowie Häutungsreste auf den Blattunterseiten.
  • Befallene Pflanzen zeigen oftmals Anzeichen für Wassermangel oder Nährstoffmangel sowie kümmerlichen Wuchs.
Grüne Blattläuse an Rose

Eine von Blattläusen befallene Rosenknospe
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Welche Pflanzen von Blattläusen befallen werden und ob sich die Pflanzenschädlinge nur auf einen Wirt spezialisieren oder nicht, ist von Art zu Art sehr unterschiedlich. Einige Blattlausarten findet man beispielsweise nur auf ganz bestimmten Pflanzenarten. Der Großteil der Blattlausarten allerdings wechselt ihre Wirtspflanze innerhalb einer Vegetationsperiode. Im Winter und Frühjahr sind oftmals Gehölze wie Fichten, Tannen oder auch Obstbäume befallen. Im Hochsommer hingegen sind viele (oftmals krautige) Nutz- und Zierpflanzen wie Kartoffeln, Erdbeeren, Orchideen, Geranien, Rosen, diverse Kräuter sowie viele Lippenblütler betroffen. Prinzipiell können fast alle Pflanzenarten von Blattläusen befallen werden.
Der Befall der Pflanzen mit Blattläusen beginnt meist unbemerkt, unter guten Voraussetzungen kommt es aber schnell zu einer exponentiellen Vermehrung. Die Symptome von befallenen Pflanzen reichen von Wassermangel- (hängende Blätter, kraftloser Stamm) über Nährstoffmangelerscheinungen (gelbliche Blätter) bis hin zu Kümmerwuchs oder Eingehen der gesamten Pflanze. Noch bevor die Pflanzen Krankheitssymptome aufweisen, können erfahrene Hobbygärtner die Überreste der vielen Häutungen der Blattlauslarven auf den Unterseiten der Blätter entdecken. Im späteren Verlauf ist zudem die Ausscheidung von klebrigen Honigtau über die gesamte Pflanze auffällig. Dieser lockt nicht nur viele andere Insekten wie Ameisen an, sondern fördert beispielsweise auch die Entwicklung von Rußtaupilzen, die die Pflanzen schwärzlich überziehen und weiterhin schädigen.
 
Im folgenden Video ist die grüne Blattlaus unter einem Mikroskop zu sehen.